Klein aber laut – Demo in Nikolassee

Demo_Nikolassee

Am Samstag, den 11. Mai haben wir gemeinsam mit dem Bündnis Zwangsräumung verhindern eine Demo zu zwei Eigentümern gemacht, einer davon war Frank Wadler, bekannt als Eigentümer des Hauses in der Linienstraße 206.

Nachdem einige von uns gemeinsam mit den Ultras von Babelsberg 03 das eher desolate Spiel der Männermannschaft gegen Wacker Burghausen begleitet haben (wobei wir trotz des 0:4 ziemlich Spaß hatten), ging es um 17 Uhr zum S-Bahnhof Nikolaussee.

Gegen halb sechs zogen rund 100 Demonstrant_innen im beschaulichen Nikolassee lautstark durch die Straßen, verteilten Flyer an die Nachbar_innen und besuchten nacheinander die Wohnsitze von Frank Wadler und Thomas Wolter. Letzterer versucht gerade in Kreuzberg eine Wohnung zwangsräumen zu lassen.

Hier unser Redebeitrag zur Linie206:

Hallo Herr Wadler! Wir sind’s wieder, die wütenden Nachbar_innen und Unterstützer_innen der Linienstraße 206! Viele von uns leben seit Jahren in Berlin-Mitte und müssen mit ansehen, wie dieser Stadtteil immer mehr verkommt. Durch Eigentumswohnungen, Luxusprojekte und dadurch steigende Mieten werden Bewohner_innen und Projekte verdrängt. Nur wer genügend Geld hat, kann bleiben. Diese Entwicklung zieht – den Regeln des Kapitalismus folgend – jede Menge Spekulanten an. Einer von ihnen – Frank Wadler – wohnt hier An der Rehwiese 25.

Vor zwei Jahren wurde das Hausprojekt Linienstraße 206 zum wiederholten Male verkauft. Auch diesmal hatten die Bewohner_innen keine Chance, das Haus selbst zu kaufen. Stattdessen schickten die neuen Eigentümer Frank Wadler und Bernd-Ulrich Lippert seit einiger Zeit Abmahnungen und auch einen ersten Antrag auf Räumungsklage einer Wohnung. Diese Klage wurde am 27. März vom Gericht abgewiesen. Die Wadler und Lippert GbR hat jedoch Berufung eingelegt.

Warum sind wir wütend? Seit der Besetzung 1990 gibt es in der Linienstrasse 206 ein lebendiges, politisches Wohnprojekt. In den vergangenen 22 Jahren gab es immer neue Eigentümer_innen, die versuchten mit dem Haus Profit zu machen. So auch die neuen Eigentümer Frank Wadler und Bernd-Ullrich Lippert: Nach erzwungenen Hausbesichtigungen und diversen abgelehnten Gesprächsangeboten von Seiten der Mieter_innen haben sie mit den Abmahnungen und dem ersten Antrag auf Räumung eine klare Kampfansage gemacht: Sie wollen die Bewohner_innen loswerden. Wir sagen: Wir haben die Schnauze voll!

Denn Wadler und Lippert sind nicht die ersten. Seit der Rückübertragung des Hauses an die Erbengemeinschaft ist es mehrfach verkauft worden. Der erste Eigentümer war die HOP Grundbesitz GmbH aus Bremen, die das Haus für ca. 600.000 DM kaufte. Er hatte die Idee, einen Hotelkomplex in Mitte zu bauen. Daraus wurde nichts. 2008 wurde das Haus gewinnbringend für 430.000 Euro an die Mirhaj und Steinich GbR verkauft. Ihr Versuch, die Hausgemeinschaft raus zu werfen, scheiterte am Protest der Nutzer_innen und ihrer Freund_innen. 2010 kauften die jetzigen Eigentümer, die Lippert und Wadler GbR, das Haus für 600.000 Euro. Der Preis für die Linie206 hat sich also in den vergangenen 12 Jahren faktisch verdoppelt.

Dabei hat keine der Eigentümer_innen einen Cent in das Haus gesteckt. Keiner hat sich um den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses gekümmert, außer den Nutzer_innen! Zweimal haben die Bewohner_innen versucht, das Haus selbst zu kaufen. Sie wollen es endlich, wie bei der Besetzung 1990 gedacht, dem Immobilienmarkt dauerhaft entziehen. Beide Male verkauften die Eigentümer_innen kurz vor einer Einigung an andere Interessenten. Bisher hat der Widerstand der Bewohner_innen und ihrer Sympathisant_innen das Ende des Projekts verhindert. Deshalb rufen wir auch jetzt auf: Linie 206 verteidigen!

An die jetzigen Eigentümer Wadler und Lippert gingen verschiedene Gesprächsangebote. Die Bewohner_innen sind bereit, einen fairen Preis zu zahlen. Dabei ist klar: Ein sozialverträgliches Wohnen ist mit dem jetzigen durch Spekulation hochgetriebenen Hauspreis nicht zu machen. Wir sagen: Wadler & Lippert haben sich verspekuliert! Wohnraum ist keine Ware! Wir bestimmen den Preis.

Wadler und Lippert haben alle Gesprächsangebote abgelehnt. Auch sie wollen nur Profit aus dem Haus schlagen. Deshalb wollen sie die Bewohner_innen loswerden. Ihnen ist es egal, ob diese damit ihr Zuhause verlieren. Uns ist das alles aber gar nicht egal. Die Aufwertung der Innenstadt verdrängt die bisherigen Mieter_innen, nicht nur in der Linie 206. Der immer schneller aufeinander folgende Verkauf von Wohnraum steigert die Immobilienpreise für Spekulanten in traumhafte Höhen. Die Mieter_innen können sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten und werden rausgeworfen.

Die zahlreichen Mieter_innenkämpfe in Berlin zeigen: Widerstand gegen diese Entwicklung funktioniert nur gemeinsam! Überall entstehen Kiezinitiativen, an vielen Orten wehren sich Mieter_innen. Wir lassen uns das Recht, dort zu wohnen, wo wir wollen nicht nehmen.

Wir kämpfen gemeinsam
- gegen Zwangsräumungen in Kreuzberg und anderswo
- gegen steigende Mieten in Berlin, Potsdam und überall!
- für das Recht auf Stadt
- und für den Erhalt von Projekten wie die KvU und die Linie 206!

Wir bleiben Alle!