Soli-Aktion vor dem Prozess am 31.10

Wie uns berichtet wurde sind kurz vor dem Prozess gegen die Linienstr 206 Schilder in der Umgebung von Wadlers und Lipperts Wohnsitz aufgetaucht. Von den Laternen der Umgebung wurde sinngemäß verkündet: „Wadler gib auf!“. und „Lippert, du mieser Spekulant!“. Wir, die Unterstützer_innen der Linie206 finden diese Initiatve super und hoffen, dass die beiden sich ordentlich geärgert haben. Im bevorstehendem Prozess gehen die Eigentümer in Berufung zu einem Urteil vom Amtsgericht, in dem das Gericht im Gegensatz zu den Eigentümern den Mietvertrag einer Mieterin anerkannte. Das passt den Eigentümern Wadler und Lippert überhaupt nicht in den Kram, sie wollen die Linie206 entmieten. Ihr Schurken passt auf! Eure Nachbar_innen werden euch jetzt auf eure Entmietungsmasche ansprechen.

Gerichtverhandlung 31.okt.2013

Liebe FreundInnen der Linie206,

am 31. Oktober 2013 ist es wieder einmal soweit.
Die Linie206 muss vor Gericht.

Nach der gescheiterten Räumungsklage vom
12.10.2013 haben Lippert &Wadler GbR
Berufung eingelegt und nötigen uns & insbesondere
eine Mieterin erneut vor Gericht zu erscheinen.
Wie bereits beim ersten Mal möchten wir euch ;
FreundInnen, UnterstützerInnen, NachbarInnen,
& MieterInnen bitten wieder vor Ort zu sein um gemeinsam
Solidarität zu zeigen .

Kommt am 31.Oktober 2013 um 11 Uhr in die
Littenstraße 12-17 in 10179 Berlin

Gern möchten wir auch im Saal 3807 direkt präzens
deutlich machen, also pünktlich ! Plätze sichern (10.30Uhr).
Sitz- und Stehplätze werden gestellt.

Also kommt Alle vorbei, es geht um so viel mehr -
! jetzt oder nie !
Für den Erhalt unserer Häuser, Wohnungen, Projekte, Gärten, Parks etc.

Wir bleiben Alle

Linienblock auf der „Wem gehört Berlin“ – Demo am 28.09.

linienblock

WEM GEHÖRT BERLIN? Vorwort zur Demo am 28.9.

demo28
Am 28. September findet ein bundesweiter Aktionstag gegen die kapitalistische Verwertungslogik in den Städten und der damit einhergehenden Verdrängung statt.

Die Aktionsdemo in Berlin wird unsere Kämpfe sichtbar machen und vereint zum Ausdruck bringen.

In Berlin hat sich eine lebendige Stadtpolitik von Unten entwickelt.

An verschiedenen Ecken und Enden führen Initiativen, politische Gruppen, Unterstützer_Innenkreise und Einzelpersonen ihre Kämpfe gegen die Folgen einer profitorientierten unsozialen Politik:

Privatisierung, Verdrängung und Diskriminierung.

Wir sehen diese unterschiedlichen Kämpfe jedoch als Antwort auf ein großes gemeinsames Problem:

Die kapitalistische Verwertungslogik, vorangetrieben von Senat und Investoren dieser Stadt.

Die Ausmaße dieser rücksichtslosen Politik zeigen sich in verschiedener Intensität und unterschiedlichen Bereichen.

Menschen sind von rassistischer Hetze betroffen, Geflüchtete werden vom Staat diskriminiert.

Steigende Mieten, Zwangsräumungen, Verdrängung aus den Innenstädten und Sozial-Kürzungen an allen Enden stehen auf dem Tagesprogramm.

Viele von den übrig gebliebenen Freiräumen sind von der Schließung bedroht, dafür jedoch jagt ein unsinniges Großprojekt das andere und strapaziert die ach so leere Staatskasse.

Während die Preise für den Nahverkehr und die Energie steigen, immer mehr Jugendtreffs wegen fehlenden Mitteln geschlossen wird, werden Millionen in die Missplanung eines Flughafens gesteckt oder das neue Stadtschloss mit 620 Millionen Euro subventioniert; ein wahres Schnäppchen das keiner braucht.

Letztes Jahr wurden über 6000 Zwangsräumungen angeordnet, 7260 Wohnungen zu Eigentumswohnungen umgewandelt, aber dafür kann nun auch in Neukölln luxuriös residiert werden.

Die Fahrpreise für Bus und Bahn stiegen mal wieder an, doch immerhin kommt die A100, für 500 Millionen ist sie quasi geschenkt!

Berlin wird verwertet und zwar gründlich: Ob Wohnen, Bildung, Mobilität, Energie, Wasser oder Freiräume, überall herrscht das selbe Prinzip:

An menschlichen (Grund-)Bedürfnissen wird maximal Geld verdient und da die Möglichkeiten nach und nach weniger werden, schröpfen die Verwertungskoalitionen nun auch aus den entlegensten Winkeln.

Eine Stadt wird zum Unternehmen.

Der Preis für diese sogenannte Aufwertung ist hoch und bezahlen tun ihn all diejenigen, die bei dem Spielchen der Umwandlung zur homogenen Stadt für Wohlverdiener nicht mitspielen können, dürfen oder wollen.

Doch wem gehört denn nun Berlin?

Diese Frage wird jeden Tag an vielen Orten und auf verschiedene Weise gestellt.

Die Antwort vieler Menschen darauf lautet sich aktiv gegen diese Zustände zur Wehr zu setzen. Ungeachtet welcher Herkunft, Staatsangehörigkeit, Einkommen oder Status sehen sie sich als Teil dieser Stadt und wollen es auch bleiben.

So gibt es überall Menschen, die sich gegen Diskriminierung und Abschiebung engagieren, die Zwangsräumungen verhindern oder ihren Freiraum mit verschiedenen Mitteln verteidigen.

Arbeitssuchende sind ungehorsam gegenüber Jobcentern und Mieter_innen organisieren sich gegen Modernisierungsankündigungen.

Kleingärtner_innen überlassen ihr Refugium nicht mehr den Planierraupen. Und Senior_innen kämpfen für ihre Begegnungsstätten.

All diese Menschen sind Teil des Kampfes für eine Stadt, die sich nicht nach dem maximalen Profit richtet, sondern nach den Bedürfnissen ALLER die dort leben und leben wollen.

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass sich in Ländern wie Spanien, Brasilien oder der Türkei aus genau diesen Bedürfnissen heraus machtvolle soziale Protestbewegungen entwickelt haben.

Menschen werden massenhaft aktiv und setzen sich selbst unter großen persönlichen Risiken für gesellschaftliche Veränderungen ein.

Trotz der Unterschiedlichkeit der konkreten Problemlagen, sowie der Themen und Aktionsformen wollen wir unseren Protest im Kontext der sozialen Auseinandersetzungen verorten, die anderswo auf dem Planeten gegen kapitalistische Verwertung und für emanzipatorische Ziele geführt werden.

Dort hat die Wut über die bestehenden Missstände, die Notwendigkeit für Veränderung und die Entschlossenheit sich zu wehren unterschiedlichste Personen und Gruppen zusammengebracht und sie zu einer zielstrebigen und wehrhaften Masse werden lassen.

Die Bereitschaft zusammen zu agieren und als geschlossene Masse aufzutreten war sicherlich mitunter Grund für die Kraft dieser Proteste und hat auch darüber hinaus Kämpfende zusammengeführt.

Der Staat setzt in seinem kapitalistischen Verwertungsspiel auf Konkurrenz und Vereinzelung, doch wir setzen unsere Solidarität und Vielfältigkeit entgegen.

Zusammen mit euch wollen wir dieses neue Format des Protestes wagen, um die unterschiedlichen Kämpfe sichtbar zu machen und vereint zum Ausdruck zu bringen.

Nur gemeinsam können wir unseren Widerstand stärken und der Kommerzialisierung Berlins wirksam und nachhaltig entgegentreten, um zu verteidigen was uns bleibt und zu holen was uns zusteht.

Kommt zur Aktionsdemo am 28. September,

denn die Stadt von morgen beginnt heute! Für eine kämpferische Stadtpolitik von unten!

Treffpunkt 14.00 Uhr Lausitzer Platz

Route:

Lausitzer – Reichenberger – Glogauer – Wrangel – Tabor – Schlesische – Skalitzer – Oberbaumbrücke – Warschauer – Revaler – Simon-Dach -Wühlisch – Gärtner – Boxhagener Platz

Sanierungsjubiläum verhagelt

Ein spürbarer Wandel – Stadtentwickler feiern – MieterInnen trauern! Ausstellungseröffnung zum Sanierungsgebiet Teutoburger Platz verhagelt.
Heute sollte gefeiert werden – 18 Jahre lang wurde die bauliche Modernisierung im Sanierungsgebiet Teutoburger Platz gefördert, so wie auch in anderen Gebieten drum herum. Das Ergebnis kennen wir: Ein vollkommen umgekrempelter Kiez, der zu den teuersten Gegenden der Stadt zählt. Nun war man zusammengekommen, vor allem all jene die von der Sanierungskulisse gelebt und solche die sich politisch damit ins Rampenlicht gestellt hatten.
„Sanierungsgebiete lohnen sich und sind ein erfolgreiches Instrument der Stadtentwicklung. Das ist am Teutoburger Platz im Prenzlauer Berg spürbar, aber auch an anderen Orten in Berlin. Unter dem Einfluss verschiedener Förderkulissen nimmt die Stadtentwicklung Geschwindigkeit auf(…)

So lauten die Begrüssungsworte in der Einladung von Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin anlässlich der Fertigstellung des Sanierungsgebietes Teutoburger Platz.
Wahrlich ein denkwürdiger Tag, denn mit der förmlichen Festlegung 1994 des Sanierungsgebietes Teutoburger Platz als Teil der ersten Gesamtberliner Stadterneuerungsprogramms begann die Städtebauliche Veränderung Berlins.
Im Rahmen dieses Jubiläums zeigt eine Fotoausstellung die Ergebnisse aus 18 Jahren Stadtentwicklung.
Grossformatige Exponate von 1994- 2013 machen nachvollziehbar, wie ein authentisch gewachsener Kiez zum rausgeputzten und durch-konzepierten Bezirk für Wohlverdiener wird.
Senator Müller kann nur zugestimmt werden:
Das Sanierungsgebiet hat sich gelohnt und zwar so richtig! Es fragt sich nur für wen?!

Das die früheren BewohnerInnen aber nicht einfach wohlhabender geworden sind, sondern überwiegend der Gentrifizierung des Stadtteils und den Plänen der davon profitierenden Immobilienverwerter weichen mussten, daran erinnerte zu Beginn der Ausstellungseröffnung ein Auftritt, den die Veranstalter nicht erwartet hatten.
Etwa 20 MieterInnen aus der Nachbarschaft verwandelten die Jubel-Veranstaltung kurzerhand in eine Trauerfeier.
Ein Kranz wurde abgelegt, dazu Grabblumen und -kerzen.
Schilder erklärten der sichtlich irritierten Zuhörerschaft, um wen und was zu trauern sei: Die zahlreichen verdrängten NachbarInnen und die vielen verloren gegangenen sozialen Orte, die dem Aufwertungsdruck nicht hatten Stand halten können. Eine Traueransprache wurde ebenfalls gehalten, die wir im Folgenden wiedergeben wollen:

„Liebe Trauergemeinde! Werte Trauergäste!

Wir alle sind an diesem Freitag, einem 13., an diesem Ort
zusammengekommen, um vom Sanierungsgebiet Teutoburger Platz endgültig Abschied zu nehmen. Die Häuser sind zwar geblieben, aber die Menschen, die diese Häuser bewohnten und sie mit Leben füllten, sind von uns gegangen.
Wir trauern heute um ganz Pankow und Prenzlauer Berg: Um Mieterinnen und Mieter, die nichts mehr zu beißen haben, weil sie jetzt so viel für die Miete zahlen müssen.
Um verdrängte und traumatisierte Einwohner, die ihre Wohnungen aufgeben mussten, weil sie die Schikanen der neuen Eigentümer nicht mehr ertrugen. Um Alte, Arme und Arbeitslose, die weggezogen sind, weil in diesem Bezirk nur Menschen mit Geld willkommen sind.
Darüber hinaus gedenken wir auch: der freien, unverbauten Flächen, der sozialen Infrastruktur, Jugendeinrichtungen, Clubs, Kneipen, Läden – die Platz für Biosupermärkte, Jogastudios, Edelrestaurants und Markenboutiquen machen mussten.
Es ist nun an der Zeit, all diese Menschen und Einrichtungen zu verabschieden.
Tun Sie das bitte jetzt – im Hören wie im Schweigen und in aller Traurigkeit.

Meine lieben Trauergäste, der Leichenschmaus ist hiermit eröffnet.“

Nach dieser Rede wird auch den Zuhörern in der letzten Reihe deutlich, dass es nichts zu feiern gibt.
Daran konnten selbst die respektlosen Zwischenrufe des pankower Bezirksstadtrats für Stadtentwicklung Jens- Holger Kirchner (Grüne) wie: “ Na und!“ und „Wen störts!“ nichts ändern.
Der Baustadtrat, seit Wochen in Wahlkampfstimmung, war sichtlich sauer darüber, dass ihm die Selbstdarstellungsshow verhagelt worden war.

Nachdem die Tauergemeinde wortlos den Ausstellungsraum verlassen hatte, ist den restlichen Besuchern die Feierlaune vergangen.
Angeregt von der kreativen Aktion, melden sich andere kritische Stimmen zu Wort und es entsteht eine kontroverse Diskussion über Stadtentwicklung und Sanierungsprogramme.

Die kleine feine Aktion hat den Standpunkt der widerständigen Bewohnerschaft deutlich gemacht und einen schalen Nachgeschmack bei den Besuchern und den Verantwortlichen hinterlassen.

Wir wünschen eine guten Appetit beim Leichenschmaus, auf das den Akteuren dieser Unternehmung ihr Profit im Halse stecken bleibt.

Für eine Stadtpolitik von unten
Die BewohnerInnen

Links:

> http://www.leute-am-teute.de/2013/08/13/ausstellung-sanierungsgebiet-teu… [2]
> http://www.leute-am-teute.de/2013/09/13/muenchner-investor-kauft-kaisers… [3]
> stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/kalender/kalender_detail.php?date=09-2013&selection=tag&selection_start=13&id=3607 [4]
> berlin.de/ba-pankow/presse/archiv/20130911.1035.389118.html [5]
> aedes-arc.de/sixcms/detail.php?id=10375337&template_id=1798